Zwei Drittel der 17-jährigen Jugendlichen hatte bereits Geschlechtsverkehr, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in ihrer Studie „Jugendsexualität 2010“ feststellte. Drei Viertel der deutschen Jungen und Mädchen wenden beim ersten Geschlechtsverkehr ein Kondom an. Mit zunehmender sexueller Aktivität steigen die Mädchen dann aber auf orale Kontrazeptiva um.
Seit der Einführung der Pille vor 55 Jahren hat sich viel getan, das Spektrum der verfügbaren oralen Kontrazeptiva hat sich deutlich erweitert, und seit einigen Jahren steht für die hormonelle Empfängnisverhütung nicht mehr nur die Pille zur Verfügung, sondern auch verschiedene Methoden, die vaginal, intrauterin, transdermal oder subkutan angewendet werden.
Orale Kontrazeptiva
Die meisten oralen Kontrazeptiva enthalten eine Kombination aus einem Östrogen und einem Gestagen, wobei die neueren Präparate mit niedrigeren Hormonmengen auskommen als ältere. Bei zuverlässiger Anwendung zeichnen sie sich durch eine sichere kontrazeptive Wirkung und eine gute Zykluskontrolle aus.
Auch wenn bei den meisten jungen Mädchen und Frauen das kardiovaskuläre Risiko minimal ist, müssen im Hinblick auf eine längere Anwendung der Kontrazeptiva kardiovaskuläre Erkrankungen (auch in der Familienanamnese) und vor allem Risikofaktoren für eine Thrombose berücksichtigt werden. Voraussetzung für die Anwendung oraler hormoneller Kontrazeptiva ist, dass kein erhöhtes Thromboserisiko vorliegt und die Patientin keine starke Raucherin ist. Das Thromboserisiko unter oralen Kontrazeptiva ist vor allem im ersten Jahr der Anwendung leicht erhöht, nimmt bei langfristiger Einnahme jedoch wieder ab.
Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Anwenderin die Pille zuverlässig jeden Tag einnimmt. Wird die Einnahme einer Tablette vergessen, kann diese bei den meisten Präparaten innerhalb von 12 Stunden nachgeholt werden.
Für einige Frauen kann auch die Minipille infrage kommen. Sie enthält nur ein Gestagen, aber kein Östrogen, und muss jeden Tag zur gleichen Uhrzeit mit einer Toleranz von nur drei Stunden eingenommen werden. Bei der Minipille und allen anderen Methoden, die ohne Östrogenkomponente auskommen, ist das Thromboserisiko geringer als bei der Anwendung von Kombinationspräparaten, allerdings können die Menstruationsblutungen dann unregelmäßig sein und vor allem in den ersten Monaten der Anwendung können häufiger Zwischenblutungen auftreten.
Hormonspirale
Für Mädchen und Frauen, die nicht dauernd an die Einnahme der Pille denken wollen, aber trotzdem eine zuverlässige Kontrazeption wünschen, gibt es inzwischen Alternativen wie die Hormon-spirale oder den Vaginalring. Diese Methoden kommen aufgrund der lokalen Anwendung mit geringeren Hormondosen aus als orale Kontrazeptiva. Hormonspiralen sind T-förmige Kunststoffkörper, die ein Gestagen, nämlich Levonorgestrel, enthalten. Sie eignen sich für eine langfristige Empfängnisverhütung über bis zu drei Jahre (Jaydess®) oder bis zu fünf Jahre (Mirena®).
Nachdem das Intrauterinsystem vom Gynäkologen in die Gebärmutter eingesetzt wurde, gibt es Levonorgestrel kontinuierlich ab. Die Hormonspirale kann jederzeit wieder entfernt werden. Ein Zusatzeffekt bei der über fünf Jahre wirksamen Hormonspirale ist, dass die Menstruationsblutung schwächer wird oder sogar ganz ausbleibt.
Vaginalring
Eine weitere Option ist die Anwendung eines Vaginalrings (NuvaRing®, Circlet®). Dabei handelt es sich um einen weichen Kunststoffring, der Ethinylestradiol und Etonogestrel enthält und diese Hormone an Ort und Stelle über die Vaginalschleimhaut abgibt. Die Anwenderinnen können den Ring selbst in die Vagina einführen. Er verbleibt dort für drei Wochen, nach einer einwöchigen Pause wird ein weiterer Ring eingelegt.
Hormonpflaster
Eine Option mit wöchentlicher Anwendung ist das Hormonpflaster Evra®. Es enthält Ethinylestradiol und Norelgestromin, ist etwa 5×5cm groß, und wird auf die Haut aufgeklebt. Die Wirkung ist bei adipösen jungen Frauen über 90kg Körpergewicht eingeschränkt.
Hormonimplantat
Ebenfalls für die Langzeitkontrazeption geeignet ist ein 4cm langes und 2mm dünnes Kunststoffstäbchen (Implanon®), das ein Gestagen-Hormon-Depot (Etonogestrel) enthält. Es wird am Oberarm subkutan implantiert. Die kontrazeptive Wirkung hält bis zu drei Jahre lang an. Es kann jederzeit entfernt werden.
Drei-Monats-Spritze
Aufgrund des Osteoporoserisikos ist die Anwendung von gestagenhaltigen Drei-Monats-Spritzen bei jungen Frauen nur in Ausnahmefällen sinnvoll.
Welche Methode für wen?
Bei der Auswahl einer geeigneten Methode zur Empfängnisverhütung können neben den möglichen Kontraindikationen weitere Aspekte bedeutsam sein. So ist z. B. bei oralen Kontrazeptiva zu überlegen, ob die Anwenderin dazu in der Lage ist, jeden Tag zuverlässig eine Tablette einzunehmen.
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, ob Androgenisierungserscheinungen vorliegen, bei denen der Einsatz von antiandrogenhaltigen oralen Kontrazeptiva sinnvoll ist. Durch die gezielte Anwendung antiandrogenhaltiger Präparate besteht die Möglichkeit, die in dieser Altersgruppe häufig auftretende Akne zu behandeln.
Die gewünschte Dauer der empfängnisverhütenden Wirkung spielt ebenfalls eine Rolle: Junge Frauen, die sicher sind, dass sie in den nächsten Jahren kein Kind bekommen wollen, können sich für eine Langzeitkontrazeption entscheiden.
Beim Beratungsgespräch sollte der Hinweis nicht fehlen, dass hormonelle Kontrazeptiva zwar eine Schwangerschaft verhindern, aber nicht vor genitalen Infektionen schützen.
Infos für Jugendliche
Zum Thema Verhütung bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationen für Jugendliche im Internet an:
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Broschüre „sex ’n’ tipps – Verhütung auf einen Blick“ (unter www.bzga.de/infomaterialien/sexualaufklaerung)
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www.loveline.de, das Jugendportal der BZgA
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