Frankfurt am Main. Hessen will in Sachen Digitalisierung in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) neues Vorbild werden: Dafür haben Hausärzteverband Hessen und die AOK auf dem Hessischen Hausärztetag Mitte April eine Absichtserklärung unterzeichnet, die Tele-VERAH künftig im HZV-Vertrag abzubilden. Landesverbandschef Armin Beck hofft nach ersten Gesprächen auch mit anderen Kassen, damit bis zu 200.000 Patienten erreichen zu können. Tele-VERAH sind bei Hausbesuchen mit modernster Technik ausgestattet und können etwa den Hausarzt über Telemedizin hinzuschalten.
Landesgesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) lobte die geschlossene Absichtserklärung. Bei der Digitalisierung, betonte er, gehe es nicht um das Ersetzen des Arzt-Patienten-Kontaktes, „sondern um eine Erleichterung der Sicherstellung für den einzelnen Hausarzt.”
Für Beck ist der unterzeichnete Letter of Intent darüber hinaus ein Zeichen, den erfolgreichen HZV-Weg fortzuführen: Neben den bundesweiten gebe es bereits drei hessische HZV-Verträge.
Landesgrenzen führen in der HZV zu Hürden
Dabei hat Hessen unter einem Spezifikum zu leiden: Als einziges Bundesland mit sechs Landesgrenzen ist die Thematik der Regionalität hier besonders verschärft. So können Patienten aus angrenzenden Bundesländern nicht in die hessischen Verträge eingeschrieben werden – besonders in der Region der nur durch den Main getrennten Landeshauptstädte Wiesbaden und Mainz sei das ein beklagtes Problem, so Beck.
Die fortlaufende Evaluation der HZV zeige „gute Ergebnisse”, betonte DEGAM-Präsidentin Prof. Erika Baum in der berufspolitischen Runde während des Hausärztetages. Gerade bei multimorbiden Patienten seien die Kosteneinsparungen deutlich, außerdem werde die Patientensicherheit nachweislich erhöht. „Wir müssen an diesem Weg unbedingt weiterarbeiten.”
Dass das der Fall sein wird, da zeigte sich Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt optimistisch. „Wir werden weiter wachsen”, wagte er eine Prognose für die HZV. „Aktuell liegen wir bei fünf Prozent pro Jahr – darauf wäre jede Firma stolz.” In Sachen Digitalisierung erinnerte er jedoch daran, dass auch die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden müsse, um telemedizinische Anwendungen in die Fläche zu bringen.
Kompetenz aus einer Hand
Dabei herrschte in Frankfurt Einigkeit darüber, dass neben der HZV auch die Delegation helfen könne, den hausärztlichen Versorgungsalltag effizienter zu gestalten. Die Kompetenz müsse dabei jedoch in der hausärztlichen Praxis verbleiben, betonten die Gäste unisono. „Durch ein Mehr an Spezialisierung würden nur weitere Schnittstellen anfallen”, betonte Dr. Eckard Starke, Vize-Vorsitzender der KV Hessen.
Auch Minister Grüttner hob einmal mehr die Lotsenfunktion des Hausarztes im Gesundheitssystem hervor. Im Zentrum stehe dabei stets das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. „Wenn der Patient sicher ist, dass der Therapievorschlag sachgerecht und richtig ist, dann verhindert das auch, dass es zu einem Doktor-Hopping kommt.”
Beck zog nach dem Hausärztetag ein positives Fazit. Nach fünf Jahren Pause sei das Angebot gut aufgenommen worden – und das Interesse zeige deutlich, dass die Tradition der Hausärztetage im Land wieder dauerhaft aufleben sollte.